Eine Fichte speichert netto über 100 Jahre 2.6 Tonnen CO2, das sind im Durchschnitt 26 kg pro Jahr. Als kleine Pflanze in den ersten Jahren sind es deutlich weniger, erst im stattlichen Alter von 30-40 Jahre kann er so richtig Mengen CO2 assimilieren, das wäre dann 2060 wenn man sie heute setzt. Tropische Bäume speichern weniger, eine Buche etwa doppelt so viel in ihrem Leben.

Auf dieser Rechnung beruhen viele Green-Business-Modelle. Mit Slogans werden die Sorgen der Kunden zum Klimawandel angespochen. „Werden sie klimaneutral!“, „Übernehmen sie eine Baumpatenschaft zur Rettung des Klimas“. So werden meist für relativ wenig Geld im Auftrag der Kunden Bäume irgendwo auf der Welt gepflanzt und ihnen dafür CO2-Kompensationen ausgestellt.

2.6 Tonnen CO2, so viel wie eine Fichte in 100 Jahren flixiert entspricht der Menge Konsumgüter, die Herr und Frau Schweizer in zwei Monaten verbrauchen. Zwei Monate Konsum werden demnach mit 100 Jahren Baumwachstum kompensiert. Zwar bieten nicht alle so billige Kompensationen, doch mit Klimaschutz haben Baumpflanzungen nichts zu tun. Selbst wenn der Baum 100 Jahre oder so viel wie die Kompensierer berechnet haben stehen bleibt, kommt die Kompensation viel zu spät. Zudem kann niemand garantieren dass der Baum so lange stehen bleibt und nicht vorzeitig abgeholzt oder anderweitig zerstört wird, zum Beipiel durch Schädlinge, durch Wassermangel, Kriege, wegen Rohstoffmangel oder raumplanerisch-politischen Massnahmen. In den nächsten 100 Jahren wird viel passieren.

Das Aufforsten ist richtig, die Erhaltung der Wälder ist lebenswichtig, das Bäume pflanzen absolut notwendig um unsere Lebensgrundlagen langfristig zu erhalten. Aber damit CO2-Kompensationsgeschäfte zu machen ist unfair, teils skandalös oder mindestens irreführend.

Übrigens ein Weihnachtsbaum hat nichts mit Klimaschutz zu tun, das gespeicherte CO2 wird, wenn er entsorgt, d.h. kompostiert oder verbrannt wird, wieder freigesetzt. Im Gegenteil: die Bewirtschaftung, das Schlagen und Transportieren (nur 45 % kommen aus der Schweiz) braucht fossile Energie und CO2. Für die Schweizer Haushalte werden im nächsten Monat 1.2 Millionen Weihnachtsbäume gefällt.

PS: die seriösen CO2-Kompensationsanbieter verzichten aus diesen Gründen auf Aufforstungsprojekte.