Am ersten Samstag im Oktober haben sich auf dem Parkplatz, wo der Aufstieg ins Fellital beginnt, 11 Tiere der IG Maultier Schweiz versammelt. Der Parkplatz liegt etwa 2 km vor Gurtnellen. Es waren Freiwillige die mit ihren Tieren, sieben Mulis, zwei Esel und zwei Ponies aus der ganzen Schweiz angereist waren um einen Transportversuch zu unternehmen. Fürs erste sollten knapp 400 kg Ess- und andere Haushaltwaren in die Treschhütte im Fellital getragen werden. Die Waren wurden von Franziska und ihrem Team der Sektion SAC am Albis bereitgestellt.

Aus dem Urnertal ins Fellital: 750 Höhenmeter, knapp 4 Kilomoter
Aufladen muss gelernt sein: der Gewichtsunterschied zwischen links und rechts sollte nicht mehr als ein halbes Kilo betragen

Normalerweise fliegt ein Helikopter mit 500 – 750 kg diese Strecke bis zur Hütte in knapp einer Minute. Die erste Hälfte des Aufstiegs besteht bis zum Felliberg aus einem kleinen Natursträsschen , das für den Privatverkehr gesperrt ist. Die zweiten 300 Höhenmeter sind nicht mehr befahrbar. Die Tiere benötigen für die Strecke etwas mehr als 2 Stunden.

Hoch über dem Urnerland kurz vor dem Felliberg

Kurz vor der Hütte im steilen und felsigen Gelände

Vor allem die Mulis hätten auch mehr getragen, doch die Führer waren sich nicht sicher ob der Transport gelingen wird, gibt es doch im Fellital ein paar heikle Passagen für Mulis. Schmale Brücken und Wege, ein kleiner Bach oder steile felsige Aufstiege. Sie wollten deshalb auf der sicheren Seite sein. Normalerweise trägt ein Muli 120 – 150 kg.

Oben werden die Esswaren abgeladen, Abfall, leere Gasflaschen und Leergut aufgeladen

Kritische Situationen von Mulis gibt es vor allem in den steilen Abgängen

Der Aufstieg war problemlos, die Tiere haben die Führer und Führerinnen fast gedrängt. Die Stimmung war gut und man fühlte sich etwas zurückversetzt in „gute“ alte Zeiten. Ein bisschen Nostalgie und Idylle. Bei einem hervorragenden Mittagessen in der Hütte konnte man sich austauschen. Nach dem Abladen und Wiederbeladen der Tiere mit allerlei Abfall und Leergut geht es hinunter. Das war erwartungsgemäss auf den steilen Wegen mit vielen Steinen nicht mehr so ganz ohne Probleme. Aber die Tiere haben das gemeistert. Der Test ist mit diesen freiwilligen Mulibesitzerinnen und Führern gelungen. Tiere und Menschen sind wohlbehalten unten auf dem Parkplatz angekommen.

Die CO2-Bilanz

Die Motivation für diesen Versuch war CO2 einzusparen. Verschiedene SAC-Sektionen haben sich dazu ja auch schon Gedanken gemacht und Pilotversuche durchgeführt. Bei diesem Test sind die Muli aus der ganzen Schweiz mit 6 oder 7 PWs z.T. auch SUVs ins Urnertal nach Gurtnellen gefahren worden. Sie haben für Hin- und Rückfahrt nach Schätzungen etwa 1’000 km auf dem Tacho. Dieser Aufwand wird dem Helikopter gegenüber gestellt, der in 2 Minuten hin und zurück dieselbe Last geflogen hätte. Dazu ist noch eine Standzeit von 1 Minuten und 6 Minuten für die Logistik zu den Kunden gerechnet worden.

Die Annahmen für die Berechnungen bei Testm im Oktober. Der Transport der Muli ins Urnertal mit PW wird auf 1000 km geschätzt
Die Annahmen für die Berechnungen bei optimierten Mulitransport: Fünf Tiere werden in einem Kleinlaster nur 50 km hin und zurück transportiert

Die Bilanz sieht für den Muli-Transport im Test vom Oktober sieht ziemlich negativ aus. Mehr als 300 kg CO2 gegenüber dem Helikopterausstoss von etwa 136 kg werden unter den getroffenen Annahmen bilanziert. Das heisst vor allem, dass die Bereitstellung der Mulis, d.h. Länge und Transportart der Anfahrt entscheidend ist, ob ein Mulitransport überhaupt Sinn macht und unter dem Strich CO2 eingespart werden kann.

Szenario: Transport optimiert

Geht man davon aus, dass man mit fünf Mulis insgsamt 600 kg transportieren kann, würden diese während 2 Tagen jeweils zweimal hochsteigen, dann ergäbe sich ein Volumen von 2’400 kg. Damit würde der Aufwand für die Bereitstellung der Maultiere etwas weniger ins Gewicht fallen. Der Helikoter würde vier Flüge brauchen um diese Menge zur Hütte zu fliegen. Zudem müsste man auch die Bereitstellung der Mulis optimieren. Im Szenario wurde angenommen, dass alle fünf Mulis mit einem kleineren Transporter nicht mehr als 50 km (hin und zurück) zum Ausgangspunkt fahren. Die Mulis dürften somit nicht weiter als zum Beispiel in Altdorf stationiert sein.

Nur bei einem minimalen Aufwand für den Transport der Mulis kann man von einer ins Gewicht fallenden Einsparung sprechen, in diesem Szenario sind es 75 %

Daneben gibt es selbstverständlich auch noch finanzielle und logistische Aspekte zu berücksichtigen. Beim Geld ist das Einsparpotential mit der optimierten Maultiervariante klein. Es könnte auch sein, dass die Maultiervariante auch etwas kostspieliger ist. Eine Einschätzung dazu ist noch zu früh. Die logistischen Faktoren sprechen eher für den Helikopter. Was aber fehlt, ist ein kommerzielles Unternehmen im Urnerland, das solche Trecks auch mit ein bisschen Routine durchführen könnte. Dazu müsste man konsequenterweise auch im Verbund mit anderen Hütten arbeiten. Zu hoffen bleibt, dass dieser schöne und gelungene Muli-Treck motiviert, die Anstrengungen des SAC gegen den Klimawandel zu verstärken.

Daten aus mobitool v2.0: Umweltdaten und Emissionsfaktoren von Transportleistungen; u.a. von BAFU, energie Schweiz, SBB und weiteren Organisationen