………..für Biogas etwa 50% mehr als für Erdgas. Aber was ist Biogas? Man sieht es dem Gas nicht an ob Bio- oder Erdgas, und chemisch gesehen ist es sozusgen identisch mit Erdgas, es besteht zu 99% aus Methan CH4, die Fachwelt spricht deshalb auch von Biomethan. Denn das Biogas enthält als Rohgas nur etwa 60 % Methan. Es muss nach der Vergärung zu Biomethan aufbereitet werden. Wenn man also für die Gasheizung einen Biomethan- oder eben Biogasanteil bei energie360° bestellt, kann man nicht überprüfen was man für das Geld bekommt. Man kann es auch nicht messen oder sonst wie objektivieren. Man muss den Glauben mobilisieren.

Erneuerbar ? Ja aber sicher nicht aus Raps oder anderen Feldfrüchten, die unsere Nahrungsmittel konkurrenzieren. Wir wollen unser Haus nicht mit Ressourcen aus der Landwirtschaft heizen.

Keine Konkurrenz zu Nahrungsmittel

Energie360°, das Unternehmen aus Zürich für die Versorgung mit Bio- und Erdgas verspricht: „Wir gewinnen Biogas ausschliesslich aus Abfallstoffen, beispielsweise aus Grüngut und Klärschlamm. So schliesst sich ein natürlicher Kreislauf. Weil wir keine nachwachsenden Rohstoffe wie Mais oder Raps für die Herstellung von Biogas verwenden, schaffen wir keine Konkurrenz zur Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln.„So der Text der Webseite von energie360°.

Nicht CO2-frei

Allerdings ist auch dieser erneuerbare Energieträger nicht frei von CO2. Der Bioabfall muss eingesammelt werden, im Shredder zerkleinert und von störenden Stoffen befreit werden. Dann erfolgt die Fermentierung in der verschlossenen Halle während 14 Tagen, die Trennung des Rohgases von den vergorenen Abfällen. Das Gärgut und das Rohgas müssen in mehrstufigen Verfahren aufbereitet werden. Dazu kommt eine anspruchsvolle Abluftreinigung und ein Raumluftmanagement. Denn Methan ist 28 Mal treibhauswirksamer als CO2 (28 g CO2-e) und zu diffusen Methanemissionen kommt es in jedem Biogaswerk.

Musterbetrieb ?

Die energie360°, der Anbieter von Biogas in Zürich betreibt die eigene Anlage Werdhölzli, die u.a. mit den Garten- und Bioabfällen aus den Zürcher Haushalten betrieben wird. Sie wurde einer Ökobilanz unterzogen und soll 79 g CO2-e pro kWh Biogas verursachen. Das Bundesamt für Energie geht von einem Faktor von 130 g CO2-e pro kWh über die gesamte Wertschöpfungskette von Biogas aus, etwas mehr als die Hälfte der 228 g CO2-e Emissionen pro kWh für das Erdgas.

84% virtuelle Importe

Die Anlage Werdhözli mag eine Musteranlage sein, allein für die Mengen an Biogas, die energie360° verkauft ist sie unbedeutend. Derzeit wird von energie360° nach eigenen Angaben 84 % des Biogases importiert, aus Dänemark 27 %, aus Ungarn und England je 21%, aus Deutschland und den Niederlanden 12% resp. 4 %. Dabei handelt es sich um sogenannte virtuelle Importe, d.h. sie sind nicht real, sondern werden von den Clearingstellen der jeweiligen Länder verrechnet. Importiert wird also nicht Biogas, sondern Erdgas mit einem Bio-Zertifikat. Ob das mit allen Ländern korrekt zu und her geht, nicht doppelt verrechnet wird, dem richtigen CO2-Inventar zugeschrieben wird und hinreichend streng kontrolliert wird, ist nicht transparent. Der Import von Biogas in grossem Stil ist weder nachhaltig noch sinnvoll. Das finden auch kompetente staatliche Stellen wie etwa das Bundesamt für Energie. Die Bioabfälle sind lokale Rohstoffe die überall anfallen. Eine rechnerische Verschiebung des Biogas von Land zu Land auf dem Papier ist unsinnig und nur ökonomisch motiviert.

Anspruchsvolle Technik ist in einer klimafreundlichen Biogas-Anlage unabdinglich

Zweifelhaftes Zertifizierungsbusiness

Als ehemaliger Auditor einer namhaften Zertifizierungsfirma war ich auch in Europa unterwegs, und habe Firmen in anderen Branchen kontrolliert oder wie man in der Branche neutraler sagt „zertifiziert“. Ich kenne die Schwierigkeiten der Stichprobenkontrollen (in der Regel einmal pro Jahr, oft weniger), den Kostendruck gegenüber vor allem den fachlich qualifizierten Auditoren (Kontrolleuren) und den Zeitdruck den Auditoren zu spüren bekommen, wenn sie auch adäquat verdienen wollen. Die Auditoren schauen dann gerne einmal nicht dorthin, wo es eigentlich nötig wäre. Denn Mängel werden während den Betriebskontrollen immer gut versteckt. Das Aufdecken und der Nachweis von Nonkonformitäten ist aufwendig und anspruchsvoll, weil es Diskussionen mit den Betriebsverantwortlichen provoziert. Das gilt auch für Schweizer Betriebe, aber erst recht im Ausland.

Grosses Potential – nicht für Gebäudeheizungen

In der Schweiz ist das Potential noch lange nicht ausgeschöpft. Verbrauch und Potential an inländischem Biogas sind in der Abbildung oben vereinfacht dargestellt. Die Unterschiede zwischen Biorohgas und Biomethan sind zu berücksichtigen. Die Zahlen sind aus verschiedenen Quellen zusammengestellt und beziehen sich in der Regel auf 2018. Die Potentiale dürfen nicht allzu genau genommen werden, denn Prognosen sind schwierig. Wahrscheinlich sind die hier Abgebildeten eher auf der optimistischen Seite. Aus der Graphik geht hervor dass das Biomethanpotential gross ist. Eine Klima-Strategie für Gebäudeheizungen ist es dennoch nicht. Der Erdgaskonsum beträgt etwa 36’000 GWh pro Jahr. Das ist im Vergleich zum Potential in der Schweiz von 4000 GWh Biomethan pro Jahr viel zu viel für eine glaubwürdige Klima-Strategie. Das Potential ist zu klein um die heutigen Erdgasgebäudeheizungen in der Schweiz mit Biogas auszurüsten. Da legt sich der Anbieter von fossiler Energie für Haushaltungen ein grünes Feigenblatt um, vor allem wenn der grösste Teil „günstig“ importiert wird. Zudem sollte Biogas dort eingesetzt werden wo es physikalisch mehr Sinn macht als im Niedrigtemperaturbereich der Gebäudeheizung: in Industrien wo Hochtempertur-Prozesse mit Wärmepumpen nicht, mit Pellets oder auch mit Strom oft nur schwer zu betreiben sind.

Grosser Nutzen

Das Potential lagert vor allem auf den Bauernhöfen. Gülle und Mist wären auch aus der Sicht des Klimaschutzes die wichtigste Biogasquellen. Die Nährstoffe gehen bei der Biogasgärung von Hofdünger kaum verloren und das gewonnene Methan und andere Klima schädigende Gase können nicht mehr in der Grube oder auf dem Felde unkontrolliert in die Luft emittieren. Aus den Biogasanlagen resultiert neben dem alternative Energieträger ein hochwertiger Dünger. Ergo ein doppelter Nutzen!